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Blog von Erdal Güngör

Paradox

13. April 2010 , Geschrieben von Erdal Güngör

11.April 2010 12:00 Uhr Mittags Ortszeit,ca. 20.000 Bursaspor Anhänger reisen in die Hauptstadt nach Ankara um ihre Mannschaft gegen Genclerbirligi zu Unterstützen.Was ihnen dort widerfährt ist für außenstehende ein Schreckliches Szenario,für ein Fußball Anhänger nichts ungewöhnliches.Warum? Weil man mit der zeit süchtig nach Pfefferspray und Gummiknüppeln wird,ein unbeschreiblich schönes Gefühl wenn der Schmerz nach lässt.Scherz beiseite,was war der Grund für derartiges verhalten der hiesigen Polizei? Zu erst wurden die Bursa Anhänger aus Sicherheitsgründen vor der Stadtgrenze angehalten und mussten die restliche strecke zum Stadion zu Fuß laufen,ungefähr 5km.Die Anstoß zeit nahte als die Anhänger am Stadion ankamen,natürlich wollte jeder so schnell wie möglich rein,denn man war ja nicht um sonst 400km angereist.Die Polizei,überfordert wie immer wurde nicht Herr der Lage.So griffen Sie zu ihren einzigen Hilfsmittel „Gewalt“.Brutal und ohne Rücksicht auf Kinder!


Die Bilder Sprechen für sich;

 

Ein paar Stunden später,500km weiter in Istanbul.Eine andere Begegnung der Süperlig,Galatasaray-Diyarbakirspor. Hier herrscht seit tagen dicke Luft,ich berichtete. Aber es ist etwas anderes worauf ich aufmerksam machen möchte.Auf der Gegentribüne ist ein Spruchband zu sehen,auf dem eine Danksagung an den Istanbuler Polizei Chef Kemal Capkin gewidmet ist,für seine erfolgreiche Arbeit gegen Drogenmissbrauch.(siehe Bild unten)

job

Jeder kann es auslegen wie es möchte,naiv wäre z.B. ein Argument,jedenfalls ist es Paradox.Wir könnten Stundenlang darüber Diskutieren,es wäre Sinnlos.Ich finde es nur Schade mitanzusehen wie eine Kultur derart Kaputtgemacht wird.Einerseits durch Repression,anderseits durch Selbstzerstörung.

 

Jeden verdammten Sonntag!

Wir sind schuldig und stehen am Rand,
denn alle anderen Plätze waren schon besetzt.

(B. Brecht)

Es geschieht jeden verdammten Sonntag, jedes verdammte mal, das wir uns einen Schal umlegen, in einen Reisebus steigen, eine Flagge schwenken, einen Chor brüllen, uns über ein Tor freuen, eine Niederlage beweinen … Es geschieht jedesmal an diesem verdammten Tag … dass wir uns einem auf uns gerichteten Finger gegenübersehen, unter dem angeekelten Blick desjenigen, der sich dem Abschaum, dem Bodensatz gegenübersieht, die passenden Worte immer schon zurechtgelegt, die uns daran erinnern, dass wir die Unangepassten sind, die Rowdies, die Unterdrückten … Jeden verdammten Sonntag! Und nun bleibt uns nichts anderes als uns auf die Seite des Unrechts zu setzen, wohl wissend, dass die Wahrheit immer auf der uns genau gegenüberliegenden Seite beheimatet ist. Das wissen wir und wir machen es trotzdem. Das wissen unsere Eltern, das wissen unsere Freundinnen, das wissen unsere Kumpel, das wissen unsere Chefs …

WIR SIND DAS UNRECHT!

Wenn es dies braucht, damit sie sich beruhigt fühlen, um nicht an die wirklichen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft zu denken, um den um sich greifenden sozialen Niedergang und die Zerstörung der Umwelt nicht mehr wahrzunehmen; wenn dies ihnen hilft, ihr beflecktes Gewissen zu reinigen … gut, greifen Sie ruhig zu, wir sind stolz darauf, auf der falschen Seite zu stehen. Aber sie erwarten von uns keine Erklärungen, sie fragen nicht, warum wir das tun, sie fragen nicht, warum wir das wohlverdiente Ausruhen ausschlagen, die öden Sonntage auf dem Sofa, die dampfende Lasagne, den Fernsehzirkus. Sie fragen das nicht, weil sie keine Antwort bekämen! Uns interessiert es nicht, irgendwelche Erklärungen zu liefern, weil es nichts zu erklären gibt, nichts, was von ihren umnebelten Gehirnen verstanden werden könnte, verkalkt von der Indoktrination des Fernsehens, der akademischen Debatten und der politischen Einflußnahme. Sie können das niemals verstehen und wir werden ihnen es nicht erklären.

Das was wir an diesem verdammten Tag empfinden, liest sich in keiner Zeitung, wird von keinem TV-Kanal übertragen, keine Reality Show würde jemals ausreichend wirklichkeitsnah sein, dies wiederzugeben, kein berühmter Sänger würde jemals die richtigen Worte finden, es auszudrücken, kein Dichter hat einen Reim, dies hervorzuheben. Was wir empfinden ist unser und gehört allein uns.

WIR SIND DAS UNRECHT!

Unser Unrecht ist, Freunde zu sein und vor allem Kameraden in diesem Abenteuer, unser Unrecht ist, etwas zu lieben, das unsere Gefühle nicht erwidert, unser Unrecht ist, zu teilen, unser Unrecht ist, etwas zu schaffen, unser Unrecht ist, Widerstand zu leisten, unser Unrecht ist, es herauszuschreien, unser Unrecht ist, etwas zu tun, ohne auf eine Gegenleistung hoffen zu dürfen, unser Unrecht ist, zu versuchen zu leben … und dies ist für unsere Gesellschaft eine unauslöschliche Schande! Ihr habt uns nur diesen Platz freigelassen und wir haben ihn uns genommen.

HERZLICH WILLKOMMEN LIEBES UNRECHT, WENN DIE DAS WAHRE SIND!

Die Texte, die auf dieser Seite veröffentlicht werden, haben überhaupt keinen Anspruch, sie wollen niemanden verherrlichen, wollen überhaupt niemandem irgendetwas erklären … sie sind einzig die Beschreibung eines Versuchs, sie sind nur die Geschichte desjenigen, der keine Stimme hat und wann sie ihm zugestanden wird, kann er sie trotzdem nicht erheben, weil er sie verloren hat. Nehmt diese Texte für was sie sind und wenn sie euch gefallen heißt das, dass auch ihr Unrecht habt … ihr könntet welche von uns sein.



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